Dobermann - Sport und Zucht -

Forrest Gump "Arik" di Casa Shirak, ein Dobermann im Mondioring

Von Kindesbeinen an war ich eigentlich immer mit Hunden in Berührung. Hauptsächlich waren dieses Deutsche Schäferhunde, die von meinen Eltern gehalten wurden, die aber nie irgendwelche Ambitionen auf sportlicher Ebene hegten. Meine heimliche Leidenschaft galt aber schon als Kind dem Dobermann. Nach dem unser letzter Hund im Jahre 1998 verstorben war, kam für mich eigentlich nur ein Dobermann als nächster Hund in Frage.

Im Oktober 03 kaufte ich mir dann meinen Dobermannrüden Forrest Gump di casa Shirak, Rufname Arik, im Alter von 8 Wochen. Arik sollte mein erster Hund werden, den ich aktiv im Hundesport führe. Die ersten Wege führten mich auf einige VPG Plätze in meiner näheren Umgebung, die mich aber als Dobermannbesitzer immer nur ein wenig belächelten, da auf diesen Plätzen fast ausschließlich deutsche Schäferhunde geführt wurden. Nach einigen Wochen und vielen Stunden auf den Hundeplätzen wurde mir mehr und mehr klar, dass ich eigentlich mit dem VPG Sport nicht zu viel anfangen konnte. Ich suchte nach etwas anderem, neuem, und irgendwann bekam ich ein Video vom Ringsport in die Finger.

Von da an wusste ich, dass das genau der Sport ist, den ich machen wollte. Von nichts auch nur die leiseste Ahnung tat ich mich mit einem Freund zusammen, und wir begannen damit, Arik auf die Übungen zu trainieren, wie wir es in diesen Videos gesehen haben. Wir trainierten die Positionen, das Voraus, die Ablage unter Ablenkung, die Futterverweigerung, eben die ganze Unterordnung, was wir aus den Videos kannten, und wir auch ausbilden konnten.

Mit der Schutzdienstgeschichte sah das erstmal ganz anders aus. Keiner von uns hatte auch nur den Ansatz einer Ahnung wie wir das hinkriegen sollten, und wo die Schwerpunkte hier im Ringsport liegen.


Arik war zu dieser Zeit ca. 6-7 Monate alt. Jetzt begannen wir uns große, lange Beißwürste zu besorgen, um Arik damit aufzubauen. Der Grundstock für eine solide Schutzdienstarbeit war in den ersten 7 Monaten gelegt worden, wobei wir auch immer darauf achteten, dass Arik nicht immer auf den Arm beißen sollte, sondern hier wurde auch mal ein Junghundarm zur Beinmanschette umfunktioniert. Ebenso haben wir auch gleich die 9mm Pistole in das ganze Spiel mit eingebunden.

Diese Ausbildung zogen wir dann auch auf den SV Plätzen durch, wobei wir uns noch mehr Spott und Häme zuzogen. Nicht nur weil wir es mit dem Ringsport versuchen wollten, nein, ausgerechnet auch noch mit 'nem Dobermann…..

Eines Abends kam es zu dem alles entscheidendem Zufall, oder wie auch immer man es nennen mag. Wir saßen in einem Vereinsheim zusammen als plötzlich jemand hereinkam und uns erzählte, sie sei heute auf dem Weg zum Tierarzt an einem Platz vorbeigekommen, auf dem es aussah als wäre ein kleines Fest zugange. Und Hunde mussten dort arbeiten, mitten unter vielen Bällen und Planen, sogar eingeschaltete Baumaschinen standen dort rum, und als ob das alles nicht genug wäre, wurden die Hunde am Vollschutzanzug figuriert.

Ich konnte meinen Ohren kaum trauen, als ich das hörte. Kurz darauf hatte ich eine genaue Wegbeschreibung in der Tasche und am darauf folgenden Wochenende waren wir auch schon dort, um das ganze mal unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich, ein Ringsportplatz, und das ganze grad mal 50km von Zuhause entfernt. Ein Glücksfall!

Nach dem wir uns mit den Leuten dort bekannt gemacht hatten, die alle sehr freundlich und zuvorkommend waren, wurden wir ausgiebig über den Ringsport, Mondioring hauptsächlich informiert, und wir konnten alle unsere Fragen an einem Nachmittag loswerden.

Natürlich war es den Ringkollegen nicht entgangen, dass hinten im Auto ein junger Dobi saß. Natürlich musste ich Arik an diesem Tag noch auspacken, nachdem ich gesagt hatte, dass wir bereits Ringsport, an unsere Möglichkeiten angepasst, trainiert hatten. Jede Übung die wir Arik bereits gelernt hatten, wurde unter die Lupe genommen. Es wurde ganz klar gesagt, was gut und was nicht so gut ausgebildet war. Im Grossen und Ganzen wurde der vorhandene Ausbildungsstand von Arik aber für gut befunden. Nur waren sich die Leute nicht sicher, ob es mit dem Dobi für ne Prüfung reichen würde. Aber sie würden mich unterstützen, wenn es mir ernst damit wäre.

Und ob es mir ernst war.

An diesem Tag durfte mein Kollege dann gleich noch in den Genuss kommen, im Vollschutzanzug einen bereits fertig im Ringsport ausgebildeten Malinois zu figurieren. Von nun an trainierten wir 2x die Woche auf diesem Ringplatz, was Arik sichtlich Spaß machte und mir natürlich auch. Da Arik ein sehr führiger Hund ist und in der Unterordnung sowohl mit Beute als auch mit Futter trainiert werden konnte, erleichterte mir das Unterordnungstraining sehr. Ebenso kam uns zugute, dass Arik über ein ausgesprochen gutes Nervenkostüm verfügt, was im Ringsport ein extremer Vorteil ist.

Die Sprünge zeigte er auch gut, natürlich nicht zu vergleichen, mit den Leistungen die die Malis ablieferten, aber da Arik auch nur so um die 34 kg bei einem Stockmaß von 69 cm wiegt, konnte er die Sprünge schon machen, ohne ein gesundheitliches Risiko einzugehen.

Im Schutzdienst allerdings zeigte sich der größte Unterschied zu den Malis. Hier war ich manchmal soweit, dass ich das ganze hinschmeißen wollte. Arik zeigte bei einem alter von ca. 18 Monaten eben nicht den Drang nach vorne, wie ich ihn mittlerweile von den Malis gewohnt war. Nach und nach wurden die Stimmen immer mehr, die mir einreden wollten, ich solle es doch gut sein lassen, und mir einen Mali kaufen.

Doch noch wollten wir nicht aufgeben. Ich habe dann 1 Jahr lang immer extra Trainingseinheiten abgespult, teilweise alleine, musste dann natürlich Arik auch selbst figurieren, und langsam aber sicher wurde es besser. Tief in meinem inneren habe ich immer gehofft, dass es wahr ist, was mir ein paar Freaks aus der Dobiszene erzählt haben, dass der Dobermann ein "Spätzünder" ist und Zeit braucht. Somit setzte ich mir mein Limit bis Arik 3 Jahre alt sein sollte, dann wollten wir uns unserer ersten Prüfung stellen. Gesagt - Getan. Wir arbeiten hart an der Übung Revolverflucht, Stockattacke und Führerverteidigung.

Mittlerweile hatten wir uns um einen eigenen Platz umgesehen, damit wir in Ruhe auch mal mehrere Stunden am Stück trainieren konnten und nicht immer von anderen Leuten abhängig waren. Ich hatten diesen Platz durch Zufall beim Spazierengehen mit meinen Hunden entdeckt, und konnte nach Rücksprache mit meinen Trainingspartner und ein bißchen Beziehungen den Platz anmieten. Somit war die Basis für ein vernünftiges Training geschaffen.

 
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Im April 06 schien auf einmal der Knoten zu platzen. Innerhalb von 3 Wochen erkannte ich meinen eigenen Hund nicht mehr. Es war eine deutliche Leistungssteigerung in allen Bereichen zu spüren, in der UO sowie im Schutzdienst. Ich bemerkte kleinere Steigerungen schon am Anfang des Jahres, führte dies aber darauf zurück, dass ich Arik Ende 05 komplett auf BARF umgestellt habe. Nur diese Leistungsexplosion in nur 3 Wochen konnte nicht allein von der Futterumstellung kommen.

Egal, Hauptsache es läuft, dachte ich mir, und trainierte nun immer mehr komplette Prüfungsprogramme um die ganzen einzelnen Trainingseinheiten nun zu einem Komplettprogramm zusammenzufügen, nicht zuletzt auch, um Ariks Kondition zu verbessern.

Wir hatten uns nun den Juli 06 als Prüfung ausgeguckt, und falls dies klappen sollte dann gleich noch eine im August hinterher. Das war unser Plan.

Eine Woche vor der geplanten Prüfung fuhr ich noch zu meinem Kollege und Freund auf unseren ehemaligen Ringplatz. Die Leute dort hatten extra einen Prüfungsparcour aufgebaut, um mir eine richtige Prüfungssimulation bieten zu können. Mit eingebunden in den Parcour war ein kleiner Kinderspielplatz den wir für Teile der Unterordnung benutzen durften. Arik zeigte sich von dem ganzen ziemlich unbeeindruckt, und arbeitete als ob er noch nie etwas anderes gemacht hätte. Die Generalprobe war ein voller Erfolg.

Nun war der große Tag gekommen, einen Tag vorher waren wir angereist, und hatten abends den Parcour noch mal genau studiert. Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen, und simulierte in meinem Kopf die Prüfung immer und immer wieder durch.

Am nächsten Morgen um 4 Uhr standen wir auf. Wir hatten hinter dem Prüfungsplatz gezeltet. Um 8 Uhr war endlich Startnummernauslosung. Ich zog die 5 von 7 Starten. Nach der Auslosung war die Parcourbegehung und die Auslosung der einzelnen Übungen, sowie die Auslosung der Apportiergegenstände etc.. Ganz genau (vielleicht zu genau) schaute ich mir alles an, denn schließlich war es ja auch meine erste Ringprüfung. Die ersten Starter waren fertig, nun war ich an der Reihe.

Erste Übung war das Apportieren. Als Gegenstand wurde ein alter Besen ausgelost. Sollte für Arik kein Problem darstellen, das hatten wir Zuhause zig mal geübt. So war es dann auch, ein leichtes Knautschen, so waren uns die ersten Punkte sicher. Als nächste Übung kam die Freifolge, kein Problem, bis ich den verkehrten Weg ging, und somit meinem Hund 2 Punkte nahm. Dann die Futterverweigerung, kein Problem volle Punktzahl. Genauso die Positionen, das Abliegen und das Voraus. Der Sprung über die Steilwand klappte auch und so verloren wir in der Unterordnung nur 3 Punkte, von denen ich 2 zu verschulden hatte. Also nun ab in den Schutzdienst, als erstes die Stockattacke, kein Problem, volle Punktzahl. Nun die Zitterübung, die Führerverteidigung. Ich musste den Helfer begrüßen, der mir einen Basketball gab, und musste mich dann von ihm entfernen und auf einen Stuhl setzen. Nun kam der Helfer zu mir, versuchte den Hund zu einem Anbiss zu verleiten, aber Arik blieb ruhig, wie wir es trainiert hatten. Plötzlich der Angriff, Arik biss sofort, was mir klar war, denn schon von Beginn der Übung an, hatte er den Helfer nicht mehr aus den Augen gelassen. Kommando aus und Bewachen, löste er sehr gut, sehr schnelles ablassen und dichtes Bewachen, was will man mehr. Abrufen vom Helfer war auch kein Problem, somit waren die nächsten 30 Punkte auf unserem Konto gut geschrieben. Zum Schluss noch die Revolverflucht, die durch die vielen Trainingseinheiten mittlerweile Ariks Lieblingsübung geworden war. Auch für diese Übung gab es die volle Punktzahl.

Schlussendlich wurde von dem anwesenden Richter die Punktzahl gleich nach der Prüfung verlesen und es gab tatsächlich 197 von 200 möglichen Punkten für Arik und somit Platz 1 in seiner ersten Mondioringprüfung. Es gab noch nicht viele Tage in meinem Leben, in denen ich so glücklich war wie an diesem. Ich brauchte erst ein paar Stunden um überhaupt zu begreifen, dass wir es endlich geschafft hatten, worauf wir doch so lange hingearbeitet hatten.

Zu den Gratulanten reihten sich dann nat. auch die, die es ja immer schon gewusst hatten, dass wir es schaffen werden, von all dem anderen war keine Rede mehr. Wir schwebten noch ein paar Tage auf irgendwelchen Wolken rum, am nächsten Wochenende hatte uns aber der Trainingsalltag schon wieder eingeholt. Schließlich wollten wir es in 4 Wochen ja noch einmal wissen.

Die nächste Prüfung war in Petrovice/Tschechien, ca. 6 Stunden einfach zu fahren. Wir reisten wieder am Vortag an, diesmal aber mit unseren Kollegen vom befreundeten Ringplatz, die auch starten wollten.

Diesmal war ich aber nicht so nervös, ich stand erst um 5 Uhr morgens auf. Ich zog die Startnummer 4, eigentlich eine gute Nummer, du kannst dir ein paar Hunde anschauen, und kommst aber trotzdem relativ bald dran. In der Unterordnung und Sprüngen lief alles bestens, das hatten wir ja auch bis zum Erbrechen trainiert, nur hätte ich ihn besser nicht beim Schutzdienst des Starters vor mir zuschauen lassen sollen. Der Angriff mit Klapperstock war noch in Ordnung, nur in der Flucht mit Revolverschuss hatte er soviel Freude, dass er beim ersten Kommando nicht ablassen wollte und somit 10 Punkte für ein zusätzliches Kommando verlor. Aber lieber schlecht abgelassen, als schlecht gebissen. Alles in allem aber doch eine sehr gute Prüfung von Arik mit 184 von 200 Punkten und Platz 3.


Bewachen eines vom Richter
gewählten Gegenstandes

Mit diesen beiden Ergebnissen im Gepäck wussten wir, dass unser Training ja nicht so schlecht gewesen sein kann, und auf diesem "Grundstock" bauten wir auf. Wir starteten noch an 2 Prüfungen in Österreich in Kat 1 wobei immer ein Platz unter den ersten 4 im raus kam.

Nun aber wollten wir es noch mal wissen. Unsere nächste Prüfung sollte in Belgien stattfinden. Im Mutterland des Ringsports. Hier zu bestehen, ist wohl das Höchste der Gefühle für jeden Ringsportler. Nach einigem Hin und Her sollte es der letzte Wettkampf im Jahr 2007 im Dezember in Belgien werden. Durch ein Forum lernte ich Ingrid Giebel kennen, die in Holland wohnt und sehr gute Kontakte nach Belgien pflegt, und mir Ihre Unterstützung zusicherte. Zu allem Übel riss ich mir im Oktober noch das Kreuzband sowie das Innen- und Aussenband, so dass es diesmal mit der Prüfungsvorbereitung sehr schlecht aussah. Ende November konnte ich wieder einigermaßen laufen und ich beschloss ein paar Tage vor der Prüfung in Belgien nach Holland zu Ingrid zu fahren, um dort wenigstens noch ein bisschen trainieren zu können. Wir trainierten gut und so fieberten wir dem Wettkampf am Sonntag entgegen.

Wiedermal zog ich für Arik die undankbare Startnummer 1. Aber was soll´s, da mussten wir durch. Die ersten Einheiten der Unterordnung liefen gut, nur in der Futterverweigerung (es gab diesmal stinkenden Fisch) ließ er sich dazu verleiten, einmal an dem Fisch zu lecken, und schon waren die ersten 5 Punkte weg. Der Rest der Unterordnung lief gut. Bei den Sprüngen hatten wir diesmal unsere größten Probleme, da Arik durch den Trainingsrückstand etwa 2 kg zu viel auf den Rippen hatte und der Boden durch tagelangen Regen sehr "tief" war. Im 3ten Versuch schaffte er dann den Pallisadensprung. Der Schutzdienst sah dann wieder besser aus. Die Klapperstockattacke war sehr gut und es gab die volle Punktzahl. Bei unserer Angstübung der Revolverflucht lies er diesmal sehr gut ab, auch volle Punktzahl. Die Führerverteidigung meistere er auch tadellos, so dass am Ende 183 Punkte und der 6te Platz für uns rausgekommen sind.

Ich war sehr glücklich nun auch in Belgien mit meinen Arik eine Ringprüfung bestanden zu haben, und wir machten uns voller Freude auf den Heimweg. Es war eine sehr interessante Erfahrung in Belgien, mal den Profis über die Schulter zu schauen und dabei zu lernen.

Im Februar 08 besuchten wir dann noch ein Mondioringseminar, das von Ingrid und Ihren belgischen Kollegen in Kassel veranstaltet wurde, um uns sozusagen den letzten Schliff noch anzueignen.

Das in Belgien und auf dem Seminar in Kassel gelernte, bauten wir Zuhause nat. in unser Training mit ein, und mittlerweile sind wir soweit, dass wir Ende 2008 nun in Holland in der nächst höheren Kat starten werden.

Ich kann diesen Sport nur für alle Hunde und Hundeführer empfehlen, schaut es euch mal an und trainiert mal mit, denn die Abwechslung die einem hier geboten wird, ist einfach nur sagenhaft. Jeder kann sich mit Ideen ins Training mit einbringen, jedes Training ist anders, einfach genial.

Die weitere Laufbahn von Arik könnt Ihr dann auf unserer HP:
www.mondioringgruppe-straubing.de weiterverfolgen, wenn ihr Lust habt

Bedanken möchte ich mich vor allem bei Georg Hiltner, Klaus Strasser, Thomas Schaffer, Ingrid Giebel, Björn van Stalle und nicht zuletzt bei Kees Verbunt, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite standen. Meine Freundin Diana hat mich immer unterstützt und meinen Sport mit ihr getragen, sie darf nicht vergessen werden, wenn es darum geht den Leuten zu danken, die mir möglich machen meinen Traum umzusetzen...

Mit freundlichen Grüßen / kind regards
Christian Erb

Ahnentafel Arik

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