Autor Thema: Dobermannzucht in der DDR  (Gelesen 5168 mal)

Dober

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Dobermannzucht in der DDR
« am: 19. Januar 2010, 08:13:33 »
Hallo alle zusammen,
weiß jemand von euch wie die Dobi-Zucht in der DDR war?
Ich habe mal die Meisterschaften punktuell durchgeklickt und finde dort keine Dobis.
Gibt es noch ,ähnlich den Leistungsschäferhunden, reine DDR-Linien? Und wenn ja......wie sind/waren sie?
Lieben Gruß
Dober

Offline Radjah

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #1 am: 19. Januar 2010, 09:01:16 »
Die alten DDR-Linien beim Dobermann waren weitgehend frei von DCM (laut Studie Dr. Haberzettl). Und beurteilt nach ihrem Nachwuchs, der dann seit 20 Jahren auch im Westen aufgetaucht ist, waren dies auch leistungsmäßig keine schlechten Hunde.
Leider hat kein einziger Züchter der damaligen DDR nach der Maueröffnung versucht, diese Zuchtstrategie weiter zu erhalten, in alle damaligen "DDR-Linien" wurden fast auf der Stelle westdeutsche Hunde "eingekreuzt", allen voran Graf Quirinus.
Der DS hatte dieses Glück, es gab eine kleine Anzahl Züchter in den neuen Bundesländern, die trotz Maueröffnung den "echten DDR-Schäferhund" noch viele Jahre weitergezüchtet haben, was der Rasse in punkto Ahnenvielfalt sehr zugute gekommen ist.

struppel

  • Gast
Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #2 am: 19. Januar 2010, 09:04:22 »
In der DDR bestand zur Zuchtauslese ein Punktesystem bzw. Wertmessziffern ähnlich des DMC

Die SDG setzte bezüglich der Zucht hohe Maßstäbe. Die Zucht hatte nur zu erfolgen mit temperamentvollen Hunden mit starken Charakter und sehr guten Gebrauchshundeeigenschaften. Sie sollten bis ins hohe Alter gesund sein und keinerlei erbliche Mängel aufweisen. Bevorzugt wurden gut pigmentierte Hunde mit guter Konstitution und großer Ausdauer. Es durften nur rassereine und eingetragene Hunde zur Zucht eingesetzt werden die absolut HD-frei waren. Noch normale oder noch zugelassene Hunde wurden von der Zucht ausgeschlossen. Des weiteren  mussten sich alle Hunde im Alter von 12 Monaten sowie die Mutterhündin einer Nachzuchtbeurteilung unterziehen, wo z.B. die Stellung der Ohren, die Zähne, das Temperament, das Vorhandensein der Hoden beim Rüden, Fell, Aussehen sowie die HD Untersuchung überprüft wurden. Dies war Vorraussetzung für den Erhalt der Ahnentafel. Diese Ergebnisse wurden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht.

Die Schwerpunkte der zuchtmethodischen Arbeit waren:

1. Nachzuchtbeurteilung:

In ihr wurden 70-80% der eingetragenen Welpen erfasst. Die Ergebnisse ergaben eine genaue Erbwertanalyse der Vater- und Muttertiere. Die jährlichen Nachzuchtbeurteilungen in ihrer Gesamtheit und auch die Vererbungsergebnisse aller Rüden wurden jährlich gedruckt und allen Mitgliedern zugänglich gemacht.

2. Das Wertmeßziffer-System

Bei fast allen Hunden mit ZTP (Zuchttauglichkeitsprüfung) oder Körung ist die WZ (Wertmeßziffer) angegeben. Durch dieses System kann sich ein Leser eines Berichtes, ohne den Hund persönlich zu kennen, auf einen Blick die Charakteristik ableiten.

3. Das Familienleistungsblatt

Es wurde in der Zuchtbuchstelle geführt. In ihm wurden die Vererbungsergebnisse aller in der Zucht stehenden Hündinnen und Rüden festgehalten. Von allen Nachkommen wurden darin die Ergebnisse der Nachzuchtbeurteilung, der Schutzhundprüfungen, der Schauen sowie der Zuchttauglichkeitsprüfungen und Körungen geführt. Mit dem Familienleistungsblatt konnte jederzeit über die Gesamtvererbung der Rüden und Hündinnen Auskunft gegeben werden.


5. Die Boniturzeichen

Die Nachzuchtbeurteiler, Zuchtrichter und Körmeister verwendeten vorgedruckte Boniturkarten; auf der dort enthaltenen Skelettzeichnung wurden alle Körpermerkmale mit einheitlichen Boniturzeichen gekennzeichnet. Die Bonituren wurden durch die Formwertnote und durch die ersten drei Zahlen der Wertmeßziffern ergänzt. Die Boniturzeichen ermöglichen eine sehr gründliche Richterausbildung, sowie eine genaue Beschreibung der Hunde und die Erstellung detaillierter schriftlicher Richterberichte. Der Zuchtleitung lieferten die Boniturkarten wertvolle Informationen sowie Material für Schulungen und Vergleiche.

6. Zuchteignung und Körsystem

Die Hunde hatten sich im Alter bis zu 24 Monaten einer ZTP (Zuchttauglichkeitsprüfung) zu unterziehen. Ab dem 24. Monat konnte dann eine Ankörung für 3 Jahre erfolgen. Erst dann durfte auf Lebenszeit gekört werden.

Auszüge aus der PO BH

Voraussetzung für alle Prüfungsarten war die Begleithundeprüfung. Allgemein ist hier zu sagen, es wurde nicht so viel Wert auf absolute Sauberkeit der Ausführung gelegt, wie wir es heute kennen. Die Ausführung war ausschlaggebend. Vergleichen könnte man es heute noch mit dem KNPV- Programm in Holland. Besonderes Augenmerk legte man auf den Schutzdienst. Hier waren Hunde mit Schneid und Mut gefragt, da der Stockschlag auch hier vor dem Anbiss kam. Und Stockschlag war auch so gemeint, da der Stock vom Haselnussbaum nebenan stammte. Es gab noch kein Wedeln mit einer Schaumgummifitsche wie heute. Markant war der Oberarmbiss. Auch der Stirnangriff frontal auf den Hund machte seinen Namen alle Ehre. Der Hundeführer musste seinen Hund 1min. ablegen und aus der Sicht gehen. Bei SchH1 erfolgte der Angriff dann auf 5m - bei SchH3 auf 10m Entfernung. Der Hund hatte den Helfer so lange zu bewachen bis der HF am Hund war. Reviert wurden 10 Verstecke ! Sechs vorwärts und vier zurück.
Apportiert wurde einmal ebenerdig, springend über eine 1,00m Hürde sowie über eine 1,80! hohe glatte Wand. Klettersprung! Kein Überlaufen einer hügelartigen Kletterhürde wie heute! Die Apportierübung heute konzentriert sich auf eine -sitz gerade und knautsche nicht- Übung!

Dazu kam noch das Überlaufen eines Schwebebalkens sowie eine Kriechübung. Diensthunde erlernten noch das Klettern von Leitern und Treppen.

Gefährtet wurde auf natürlich verlaufenden Bodenverhältnissen. Es konnte schon mal eine Bahnlinie dazwischen liegen. Unbefangenheit wurde auch schon mal am vorbeifahrenden Zug überprüft. Hinzu kam, daß die Hunde nach der FH-Prüfung einen Schutzdienstteil zu absolvieren hatten.
 


 


« Letzte Änderung: 19. Januar 2010, 09:48:37 von struppel »

Offline M. Lorenz

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #3 am: 19. Januar 2010, 10:56:58 »
Korrektur:
Die BH in der DDR war keine Pflichtprüfung. Ab 1984 oder 85 war es möglich eine solche abzulegen. Sie beinhaltete Elemente, die man einem wirklichen Begleithund zuschreiben können muß.
Dazu gehörten:
- eine kurze Verlorensuche/Stöbersuche
- Unterordnungsteile u.a. mit Fahrrad, um nachzuweisen, dass auch dieses funktioniert
- ein SD-Teil, bei dem der Hund nicht unbedingt beißen mußte, jedoch deutliche Bereitschaft zeigte, seinem Führer zur Seite zu stehen (und nicht weg lief).
Meines Wissens setzte sich diese Prüfung in den wenigen Jahren bis 1990 nicht durch und kann von ihrem Bekanntheitsgrad und der Anzahl der abgelegten Prüfungen mit der Wachhundprüfung vergleichen werden.
Sie war gedacht, Hunden, die nicht den anerkannten Dienst- und Gebrauchshunderassen der DDR angehörten und somit keine Schutzhundprüfungen ablegen konnten, eine Perspektive zu bieten.

Die FH I - FH III beinhaltete nicht nur einen kleinen SD-Teil. Auch diese Prüfungen bestanden aus drei Teilen. Fährte, Unterordnung und Schutzdienst. Natürlich lag das Hauptaugenmerk hierbei auf den Fährten.
Die FH´s waren wie die Schutzhundprüfungen Abrichtekennzeichen im Sinne der Zucht-, Kör- und Schauordnung.

Offline Malinconia

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #4 am: 19. Januar 2010, 12:01:37 »
Hi

Liest sich super....

Ich bin ja obwohl bekennender UO-Fetischist absoluter Anhänger der KNPV Arbeit. Ebenfalls sehr gut gefällt mir die Nachzuchtkontrolle, wobei ich leider aus Erfahrung weiss wie schwer diese für einen Züchter Umzusetzen ist. Der Gesellschaftsentwicklung und Mentalität des modernen Welpenkäufers sei Dank.

mfg Anna
Do you know how a falcon is trained my dear?
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Blinded temporarily she suffers the whims of her God patiently,
until her will is submerged
-and she learns to serve -

Dober

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #5 am: 20. Januar 2010, 16:12:54 »
Ja,es liest sich super......schade,dass es nicht "übergeschwappt" ist.
Weiß jemand,ob es konsequent so gemacht wurde,wie beschrieben?
Wobei......da die Linien ja nicht frei gebleiben sind von "schlechtem Einfluss" ist es wahrscheinlich eh akademisch da nachzuforschen.
Dober

Offline Sensoria

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #6 am: 20. Januar 2010, 17:28:34 »
Cox vd Mooreiche war schon über die beiden Großmütter auf DDR Linie gezogen.
Sonst sind mir keine Hunde mehr bekannt, wo es weiter vorn ist.

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #7 am: 20. Januar 2010, 19:44:02 »
Wenn die s.g DDR Zucht so gut war warum hat sie nicht Überlebt ?.Oder warum wurde sie nicht bei den BRD Zuchten übernommen.

Offline Sensoria

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #8 am: 20. Januar 2010, 19:50:18 »
Gute Frage - damals war nicht abzusehen, daß wir einmal so große gesundheitliche Probleme bekommen werden???
Zahnfehler, teilweise sehr hässlich, Vorurteil gegen alles was mit Kommunismus zu tun hatte...

Offline otto göller

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #9 am: 20. Januar 2010, 19:50:57 »
Zitat
Wenn die s.g DDR Zucht so gut war warum hat sie nicht Überlebt ?

vielleicht lag es daran das die DDR Züchtern nach der Wende zu den BRD-Rüden gestürmt sind, wie die Motten in das Licht. So nach dem Motto, wie es bei allem war, alles was DDR war/ist ist scheiße, alles neue aus der BRD ist gut.

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #10 am: 20. Januar 2010, 19:58:08 »
Zitat
Gute Frage - damals war nicht abzusehen, daß wir einmal so große gesundheitliche Probleme bekommen werden???
Zahnfehler, teilweise sehr hässlich, Vorurteil gegen alles was mit Kommunismus zu tun hatte

 Ich Denke das ist Falsch auch damals war schon der Gesundheitzustandt der Rasse bekannt (bei einigen)Es ist auch seit Ottmars zeiten kein Geheimnis das ganze Würfe von Krankheiten betroffen waren.

Offline Sensoria

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #11 am: 20. Januar 2010, 20:01:02 »
Es ist wohl ein großer Unterschied zwischen 20% und heute in manchen Linien bis über 60% von DCM betroffenen Hunden.
Außerdem sind seit den 90igern sehr viele Linien einfach ausgestorben, weil alle zu den gleichen Hunden gerannt sind.

Offline otto göller

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #12 am: 20. Januar 2010, 20:10:42 »
Ein weiterer Grund, könnte sein, das DDR Hunde nicht unbedingt erwünscht waren, zumindest auf Ausstellungen standest du automatisch ein paar Plätze weiter hinten. Wer wollte die dann haben???

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #13 am: 20. Januar 2010, 20:15:03 »
Is auch nicht ganz Richtig zb O Thielke hat schon zu DDR Zeiten gute Hunde gezüchtet und dies auch nach der Wiedervereinigung getan.
Das es einen Run auf Rüden gegeben hat aus dem Westen ist Richtig und warum .Wegen des Geldes.

Dober

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Re:Dobermannzucht in der DDR
« Antwort #14 am: 20. Januar 2010, 20:33:43 »
Und trotz Allem sind sie bei den DDR-Meisterschaften eigentlich nicht vorhanden.
Weiß jemand woran das lag?